Spotlight on Performance

Bei Marcolli Executive Excellence haben wir das Privileg, mit visionären Führungskräften, Weltklasse-Athleten und verschiedenen höchst-talentierten Personen zusammenarbeiten zu dürfen, die sich täglich dafür engagieren, Exzellenz in allen Aspekten ihres Lebens zu erreichen. Durch unsere Arbeit geben wir nicht nur unser Wissen weiter, sondern wir lernen und wachsen auch selbst in unserer Kompetenz.

An dieser Stelle publiziere ich vierteljährlich exklusiv meine An- und Einsichten über das Erbringen von Höchstleistungen – Chris


Q3 2018

GEWINNEN – mit dem Team im Fokus

Erfolgreiche Führungskräfte und Leistungsträger werden regelmässig vor eine grundsätzliche Frage gestellt: Zu welchem Grad geht es mir bei meiner Leistung primär darum, selber (als Individuum) erfolgreich zu sein, oder inwiefern engagiere ich mich vorwiegend für den Gesamterfolg des Teams und Unternehmens, wo ich tätig bin?

Natürlich führt die erste Haltung («ich schaue primär drauf, dass ich gut dastehe») oft auch zu einem ordentlichen Gesamtergebnis – aber es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass man mit einer Gruppe von Menschen etwas Außergewöhnliches erreicht, wenn jeder sich nur auf seine eigene Leistung konzentriert. 

Champions wissen, dass sie ihre eigene Top-Leistung bringen müssen, als grundsätzliche Verantwortung ans Team. Sie wissen aber auch, dass aussergewöhnliche Leistungen nur dann möglich sind, wenn sie sich primär für den Gesamterfolg einsetzen.


F
ür erfolgreiche Teamarbeit braucht es Schlüsselspieler

Nationaltorwart Yann Sommer zeichnet sich seit jeher durch diese Einstellung aus. An der vergangenen FIFA Fussball Weltmeisterschaft in Russland hat er eindrücklich gezeigt: Gib Deinem Team die Chance zum Sieg - und Du wirst selber gewinnen.

Seit 9 Jahren arbeite ich mit Yann zusammen. Er ist seit vier Jahren die Nr. 1 der Schweizer Nationalmannschaft, seit vier Jahren spielt er bei Borussia Mönchengladbach in der Deutschen Bundesliga. Davor war er mehrfacher Schweizer Meister, spielte mit dem FC Basel in der Champions League und wurde zum Schweizer Fussballer des Jahres gewählt. Die WM in Russland war für Yann persönlich ein ganz wichtiges Turnier – zum ersten Mal war er der Stammtorhüter an einer WM, eine grossartige Sache.

Eine WM ist für Fußballer ein riesiges Highlight! Es ist nicht nur Ehre und Auszeichnung für das eigene Land aufgestellt zu werden, sondern sie ist globale Bühne für die eigene Leistung – in zweierlei Hinsicht: Fürs Publikum, das guten Fussball sehen will und für die Fussballszene, weil sich die Besten der Besten aus der ganzen Welt in einem gemeinsamen Turnier messen und dadurch offensichtlich wird, wer den allerhöchsten Leistungsstandards genügt. 

Für viele Spieler gilt es also buchstäblich, sich gut zu verkaufen. Das bedeutet aber auch, dass die Spieler einer Mannschaft - obwohl alle im gleichen Trikot stecken - eine eigene Agenda verfolgen. Herausforderung und Aufgabe eines Coaches ist hier neben spieltaktischen Aspekten, die Anzahl der Individualisten kohärent und synergetisch zusammenzufügen. Die Spieler müssen Fehler im Spiel untereinander ausgleichen und kompensieren, dürfen sich nicht zu schade sein, für andere zu laufen, auch mal «Drecksarbeit» zu übernehmen, immer wieder in Zweikämpfe zu gehen und sich gegenseitig Vorlagen zu geben. Dazu braucht der Trainer Schlüsselspieler in der Mannschaft, die den kollektiven Teamgeist, den gemeinsamen Willen zum Sieg und die aufrichtige Solidarität untereinander prägen und vorleben. Einer dieser Schlüsselspieler ist Yann Sommer.

Ich konnte Yann vor und während WM als Torwart und in seiner Rolle als Schlüsselspieler begleiten. Mein Ziel war es, dass Yann seine persönliche Bestleistung in jedem Spiel bringt und dass er der Mannschaft bestmöglich hilft, die Teamziele zu erreichen. Als ich Yann vor der WM fragte, was das allerwichtigste Ziel sei, sagte er sofort: «Mit der Mannschaft mindestens ins Viertelfinale einzuziehen!».


Individuellen Bedürfnissen gleichermaßen Raum geben

Diesen Spirit konnte Yann in den Team-Ansprachen kurz vor Spielbeginn bei ausgewählten Partien an seine Teamkollegen weitergeben. Minutiös bereitete er sie vor, legte sich jedes Wort zurecht, fühlte sich in jeden seiner Mannschaftskameraden ein, um ihren individuellen Bedürfnissen gleichermaßen Raum zu geben, sie wertschätzend zu integrieren, damit alle an einem Strang ziehen konnten.

Bekanntlich ist die Schweiz ist im Achtelfinale ausgeschieden, durch einen denkbar ungünstig abgelenkten Schuss und für Yann unhaltbaren Treffer im Spiel gegen Schweden. Das Teamziel, das Viertelfinale, wurde durch dieses unhaltbare Tor verpasst. 

Was dann passierte, war interessant:

Yann war darüber derart enttäuscht, dass er sich gar nicht richtig freuen konnte, dass ihn mehrere Fachmagazine aus verschiedenen Ländern zum besten Torwart der Vorrunde wählten, dass die Deutsche Fachzeitschrift «Kicker» ihn zum besten Torwart der Rückrunde kürte und er unter den drei besten Torhütern der ganzen WM gehandelt wurde. All das trat für ihn völlig in den Hintergrund, weil er sein Mannschaftsziel nicht erreicht hatte - dabei hatte er so viel gewonnen, ganz ohne dies in den Vordergrund gestellt zu haben.


Was können Business Leaders von Yann Sommer lernen? 

«Team first» - anstatt eine detailreiche eigene Agenda im Hinterkopf zu haben, wie man sich persönlich am besten inszeniert, schaffen es Führungschampions unter massivem Leistungsdruck: 

  • die eigene, persönliche Spitzenleistung zu erbringen. Dies gibt einem als Leader die «permission to act as a leader», also die Voraussetzung, als wahrer Leader überhaupt akzeptiert zu werden
  • sich in die Individualbedürfnisse der Anderen hineinzuversetzen
  • alle gleichermaßen ins Boot zu holen um den Gesamterfolg des Teams und damit unweigerlich dessen Performance massgeblich zu steigern. 

Die erstaunliche Konsequenz: Selbst wenn dann ein hochgestecktes Teamziel für einmal nicht erreicht werden sollte, werden sie zu Gewinnern.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für die Erreichung Ihrer Ziele!

Chris