Spotlight on Performance

Bei Marcolli Executive Excellence haben wir das Privileg mit visionären Führungskräften, Weltklasse-Athleten und verschiedenen höchst-talentierten Personen zusammenarbeiten zu dürfen, die sich täglich dafür engagieren, Exzellenz in allen Aspekten ihres Lebens zu erreichen. Durch unsere Arbeit geben wir nicht nur unser Wissen weiter, sondern wir lernen und wachsen auch selbst in unserer Kompetenz.

An dieser Stelle publiziere ich vierteljährlich exklusiv meine An- und Einsichten über das Erbringen von Höchstleistungen.


Q4 · 2022
Game, Set and Match – Roger Federer!

Ich bin mir fast sicher, dass viele von Ihnen Roger Federer’s emotionalen Rücktritt aus dem Profitennis anlässlich des Laver Cup am 23.9.2022 in London mitverfolgt haben. Die Veranstaltung markierte das Ende einer Ära in der Geschichte des Tennis, ja in der globalen Sportgeschichte insgesamt. Die Szenen nach Roger’s letztem Match waren sehr bewegend und berührend – selbst für Menschen, die Roger nicht nahe stehen oder große Tennis-Fans sind.

Ich hatte das Privileg, live in der O2 Arena in London vor Ort zu sein. Auch für mich war es ein besonderer Moment, weil ich mit Roger in der Anfangsphase seiner grossartigen Karriere zusammengearbeitet hatte. Ich war am 7. Juli 1998 in Gstaad an seinem allerersten Spiel auf der ATP-Tour – und nun auch an seinem letzten Match dabei. Ich durfte miterleben, wie eine der größten Karrieren in der Geschichte des Sports zu Ende ging.

Roger und Seve

Der Abend in London hatte für mich einen zusätzlichen beruflichen und persönlichen Bezug. Besonders bewegt hat mich die lange und intensive Umarmung in der Umkleidekabine zwischen Roger und seinem langjährigen Trainer Severin Lüthi kurz vor dem Match. Seve coachte Roger während 15 Jahre und bereitete ihn auf mehr als 900 Matches vor. In den letzten 13 dieser 15 Jahre hatte ich das Privileg, für Seve als dessen Executive Coach und Sparringspartner zu agieren.

Am gleichen Tag, kurz vor Roger’s letztem Match, fragte ich Seve, welche Emotionen er habe und welche Gedanken bei ihm im Vordergrund seien. Er antwortete mir: „Roger tut mir leid – er hätte ewig spielen wollen“. Es war so typisch für Seve’s Selbstlosigkeit und Großzügigkeit als Mentor und Coach, nur an seinen Schützling zu denken, ohne ein Wort über sich selbst zu verlieren. Und dies selbst in einer Zeit, in der er wusste, dass es auch für ihn in Zukunft nie wieder so sein würde wie jetzt.

Die langjährige, höchst erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Roger und Seve hatte mich seit jeher beeindruckt. Lassen Sie mich noch eine kurze Anekdote zu Seve’s großartigem Sinn für Humor mit Ihnen teilen. Bevor die Menge in die O2 Arena eingelassen wurde, nutzte er die Chance, alleine auf den Platz zu treten. Er machte ein Foto von sich, wie er ins leere Stadion winkt, und postete es dann auf Instagram mit dem Kommentar: „Ich muss mir die Zeit nehmen, all meinen großartigen Fans zu danken – ihr seid die Besten!“. Wir können uns nur die vielen lustigen Momente vorstellen, die er und Roger im Laufe der Jahre geteilt haben!

Roger und Rafa

Für seinen letzten Wettkampfauftritt auf der Tour wollte Roger mit seinem langjährigen Rivalen und Freund Rafael Nadal im Doppel spielen. Sein Wunsch wurde erfüllt. Und die Beiden lieferten ein grossartiges Match. Trotz der Verletzungsprobleme in den letzten Monaten war Roger voll konzentriert, entschlossen und spielfreudig. Obwohl Roger und Rafa das Duell knapp verloren, konnten alle ihre immense Freude darüber sehen, gemeinsam auf dem Platz spielen zu können – ausnahmsweise sogar auf derselben Seite des Netzes!

Natürlich kennen die meisten von uns Rogers beispiellose Leistungen, Siege und Titel. Aber was mich, wie so oft in der Vergangenheit, wieder beeindruckt hat, ist, wie er seine Leistungen erbrachte: mit seiner immensen Leidenschaft fürs Tennis. Mit seiner Präzision in der Ausführung. Mit seiner Fähigkeit, sich mit Menschen zu umgeben, deren Rat und Unterstützung er vertraut. Mit seiner Authentizität. Mit seiner Fähigkeit, mit sich selbst im Reinen sein. Und mit seiner sehr disziplinierten und doch spielerischen Herangehensweise.

Welch grosse Inspiration für uns alle!!

Es ist wenig überraschend, dass Rogers Rivalen immer einen enormen Respekt vor ihm hatten. Viele kamen persönlich nach London, um sich zu verabschieden, unter anderem auch Novak Djokovic und Andy Murray. Ebenso einer seiner grössten Rivalen, Rafa, der auch Rogers Freund geworden ist und trotz komplizierter persönlicher Umstände darauf bestand, an jenem Abend für ihn da zu sein. Die Situation bewegte sich in einen tränenreichen Abschied.

Eine riesige Bandbreite an Emotionen

Als der Abschluss dieser herausragenden Karriere Tatsache wurde, war Roger in Tränen aufgelöst. Rafa sass neben ihm auf der Spielerbank und unterstützte ihn in diesem Moment. Er war derart emotional involviert, dass auch er weinte und Rogers Hand hielt. Es war wunderbar, die Menschen so verbunden und vereint zu sehen, besonders als Rogers Frau Mirka, die Kinder und die Eltern auch auf den Platz kamen.

Als sich diese Ereignisse vor mir abspielten, fühlte ich mich persönlich unglaublich bewegt. Ich bemühte mich, grosse Brandbreite an Emotionen zu verstehen. Es war so einzigartig, als würde man einer Beerdigung beiwohnen, ohne dass jemand gestorben wäre. Es gab Trauer, Abschied, aber auch Feiern. Ich fühlte Verlust, aber auch Dankbarkeit, Stolz und Freude. Es war ein spezieller, schöner Moment.

Helfen Sie anderen, erfolgreich zu sein

Während dieser Höhepunkt der Emotionen inzwischen wieder vorbei ist, hat sich die Überzeugung noch mehr festgesetzt, dass jede Anstrengung es Wert ist, anderen zum Erfolg zu verhelfen und auf diese Weise ein Vermächtnis zu hinterlassen. Wenn Sie also in einer Führungsposition sind und die Fähigkeit haben, andere zu inspirieren: seien Sie weiterhin großzügig in Ihren Worten und Taten. Seien Sie für andere da. Tun Sie alles, um ihnen zum Erfolg zu verhelfen. It’s worth it!

Mit besten Grüssen