Spotlight on Performance

Bei Marcolli Executive Excellence haben wir das Privileg mit visionären Führungskräften, Weltklasse-Athleten und verschiedenen höchst-talentierten Personen zusammenarbeiten zu dürfen, die sich täglich dafür engagieren, Exzellenz in allen Aspekten ihres Lebens zu erreichen. Durch unsere Arbeit geben wir nicht nur unser Wissen weiter, sondern wir lernen und wachsen auch selbst in unserer Kompetenz.

An dieser Stelle publiziere ich vierteljährlich exklusiv meine An- und Einsichten über das Erbringen von Höchstleistungen.


Q3 · 2019
Performance Transformation –
Darf Arbeit auch (mal) keinen Spass machen?

Jeff war emotional berührt, als seine Chefin, die CEO seines Unternehmens, im Meeting mit dem Leadership Team seine Tätigkeiten der letzten Monate zusammenfasste. Sie präsentierte die massiven Fortschritte im Umbau seiner globalen Geschäftssparte.

Rückblende: Vor 18 Monaten übernahm Jeff die Geschäftsführung einer globalen Sparte des Unternehmens. Er musste die Sparte strategisch neu ausrichten und umfassend umstrukturieren. Die Umstrukturierung erwies sich als vielschichtig, verflochten und forderte seine Anwesenheit auf fünf Kontinenten – kontinuierlich. Vom ersten Tag an musste er Ergebnisse liefern, mit einem Führungsteam, das dysfunktional auf die überfällige Umstrukturierung reagierte. Trotz eindeutiger Faktenlage und mehrerer Gespräche gab es Teammitglieder, die sich gegen die neue Ausrichtung wehrten. Schliesslich musste er auch das Führungsteam anders zusammenstellen. Der Druck auf Jeff war immens.

Verbissen, emotional, kräftezehrend

Als Jeff sich in dieser Zeit an mich wendet, erinnert er sich noch gut an seine ersten Wochen in der neuen Rolle. Er freute sich auf jeden Arbeitstag, ging mit grosser Neugier und Tatendrang auf die Aufgaben zu, lernte und entdeckte täglich etwas Neues. Trotz des immer stärkeren Drucks hatte er Spass an seiner Rolle, war voller positiver Energie. Im Laufe der Zeit jedoch offenbarte sich das Ausmass des ihm bevorstehenden Kraftakts. Selbst in den Bereichen, die er „gesund“ und funktional glaubte, entdeckte er Mängel. Zudem arbeiteten die einzelnen Abteilungen nicht miteinander, sondern gegeneinander. Er musste auf Herausgabe wichtiger Informationen bestehen und das verlief nur dann erfolgreich, wenn er vor Ort und persönlich empfindlichen Druck ausübte. Der Gedanke permanent den Überblick behalten und alles kontrollieren zu müssen begleitet Jeff tagein, tagaus – auch an Wochenenden. Verbissen stürzte er sich in die Arbeit. Der Job zehrte unablässig an seinen Kräften, Freude empfand er dabei nicht mehr.

Nach 18 Monaten

„Das haben wir Jeff zu verdanken.“, schloss seine Chefin ihre Zusammenfassung ab. „Eine solche Leistung in so kurzer Zeit zeugt von wahrer Leidenschaft und wahrem Leadership. Wir können froh sein, jemanden wie dich in unserem Team zu haben.“ Das ging runter wie Öl nach diesen strapaziösen 18 Monaten. Als die CEO das Meeting beendet hatte, lud sie Jeff noch zum gemeinsamen Lunch ein und er war wieder emotional berührt: „Ich möchte dich auf meine Nachfolge vorbereiten. Kannst du dir vorstellen, das ganze Unternehmen zu führen?“

In unserer Coaching Session im Anschluss an den Lunch mit der CEO zauderte er: „Ich weiss nicht, ob ich das will. Mir fehlt die Freude.“

Die anfängliche Freude, die Jeffs Leidenschaft für seinen Job und die Firma geweckt hatte, die positive Energie, die er anfangs empfunden hatte, war unter dem starken Druck entschwunden.

Phasen ohne Freude sind okay

Ich arbeite mit Jeff ganz gezielt an seiner Executive Performance Transformation, ein Konzept, das ich in meinem Buch „The Melting Point – How to stay cool and sustain world-class business performance“ ausführlich beschreibe.

Am Anfang einer neuen Rolle sind Sie voller Tatendrang, begeistert von neuen Aufgaben und motiviert, sie auf höchstem Niveau zu meistern (Stufe 1 „Drawn in“). Nach einer Weile weicht die Begeisterung einer Art Besessenheit: Verantwortung, Zeitdruck und Workload fordern Ihnen immer mehr ab. Um der wachsenden Aufgabe gerecht zu werden, leisten Sie noch mehr und leisten es länger (Stufe 2: „Obsessed“). Kritischer Wendepunkt dieser Stufe ist, wichtige mentale Schritte nach vorn zu machen. Das ist die härteste Arbeit: Sie blicken anders auf Ihre Mitarbeiter, die Abteilung, den Geschäftszweig und wie sie verwoben sind. Sie reflektieren und lernen immer wieder neues über die Branche, Zusammenhänge und organisatorische Dynamiken. So priorisieren Sie entschieden: was mache ich selber, wofür braucht es mich selber (und was kann ausser mir niemand machen) und was muss ich konsequent delegieren? Wenn Sie diesen Bogen raus haben, sind Sie bereit für erste grosse Erfolge. Dieser entscheidende Fortschritt auf der Executive Performance Transformation besteht darin, Ihre Verhaltensmuster geduldig und konsequent anzupassen (Stufe 3 „Ready for Success“). Bei kontinuierlicher Weiterentwicklung der Verhaltensmuster erreichen Sie einen Punkt, ab dem Sie Ihre Leistung spielerisch erbringen. Sie verfügen über ausreichend Wissen und Erfahrung um souverän zu priorisieren und zu fokussieren. So sind Sie in der Lage, unter der enormen Verantwortung cool zu bleiben und dem hohen Leistungsdruck gerecht zu werden. Jetzt geniessen Sie Ihre Arbeit wieder – sie bereitet wieder Freude (Stufe 4: „Playful“).

Jeff befindet sich zwischen „obsessed“ zu „ready for success“. Diese Phase zeichnet sich nicht durch Freude und Spass aus, ist aber notwendiger Bestandteil des Entwicklungsprozesses zur Erbringung nachhaltiger Spitzenleistung. Viele Leistungsträger erleben diese Phase gleich – es ist okay und normal, dass es in dieser Phase wenig Spass macht.

Exzellenz auf allerhöchstem Niveau

Jeff weiss nun nicht, ob die Position des CEO das Richtige für ihn ist, weil er in seiner aktuellen Rolle als Geschäftsführer keinen Spass und nur wenig Freude empfindet. Er fragt sich, wie das wohl aussähe, wenn er sich dem noch grösseren Druck der CEO-Position aussetzen würde?

Es ist aber nicht nur der Spass und auch nicht die Freude alleine, die uns signalisieren, dass wir in unserem Element sind. Wir sind vielmehr dann in unserem Element, wenn wir immer besser werden wollen. Wenn wir bereit sind, uns dafür anzustrengen und mitunter auch richtig zu leiden. Leidenschaftlich eine Sache zu verfolgen heisst nicht, dass wir sie zu jedem Zeitpunkt geniessen, uns permanent darauf freuen oder ausschliesslich begeistert davon schwärmen. Leidenschaftlich eine Sache zu verfolgen heisst, sie nicht aufzugeben, wenn sie uns nicht mehr leicht fällt, weil wir noch keine neuen Verhaltensstrategien entwickelt haben, um auf höherem Level erfolgreich Leistung erbringen zu können. Leidenschaftlich eine Sache zu verfolgen heisst, hart an sich selbst zu arbeiten, neue Verhaltensstrategien zu entwickeln, intelligent anzuwenden und umzusetzen. Das ist Exzellenz auf allerhöchstem Niveau.

Entscheidend ist, dass Jeff nicht in diesem verbissenen, kräftezehrenden Performance-Muster verharrt, sondern aktiv durch die Executive Performance Transformation Stages schreitet. Das erlebte Verhältnis aus Freude und Leistung wird dann ein anderes. Es wird immer besser.

Ich freue mich, ihn dabei zu unterstützen – und ihm vielleicht bald zur Nomination zum CEO zu gratulieren. Auch in dieser Position würde ihm die Transformation wieder bevorstehen. Nur würde er sie, dank den gemachten Erfahrungen, schneller und effizienter durchlaufen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Executive Performance Transformation.